gaybern.ch | ha-bern.ch | 3gang.ch | cominginn.ch
gaybern.ch - lesbischwules portal für bern der hab
Lesbischwules Bern

Nachruf: Eugene W. Rhodes III – Tänzer unter dem Regenbogen

Nachruf: Eugene W. Rhodes III – Tänzer unter dem Regenbogen

Am 27. Februar hat uns eine der schillerndsten Figuren der Berner LGBT-Szene verlassen. Eugen W. Rhodes III wurde unerwartet im Alter von 36 Jahren aus dem Leben gerissen. Eugene war Tänzer, Choreograph und Tanzlehrer, Party-Queen und Organisator, aber vor allem Freund und Inspiration.

Aufgewachsen ist Eugene W. Rhodes III in Brooklin. Er lernte Ballett, Modern- und Jazztanz und studierte Tanz und Choreographie an der renommierten Juilliard School in New York. Kurz nach dem Ende seiner Ausbildung wagte er die Reise nach Europa. 2002 wurde er für ein Jahr ins Ballett-Ensemble des Stadttheaters Bern aufgenommen. Es war aber die Liebe zu einem Mann, die Bern zu seiner neuen Heimat machte. Seinen Peter heiratete er 2005. Seit diesem Jahr war er als unabhängiger Tänzer tätig und gründete 2009 seine eigene Tanzgruppe, die Third Dance Company. Mit ihr inszenierte die Stücke «Blooming», «Serve me from the Right and Take Me from the Left», «Lace» und «Genesis, Eros, Thanatos». In letzterem, einem Solostück, wirft er einen Blick auf sein bisheriges Leben durch einen mit griechischer Mythologie gefärbten Filter. Dabei fokussiert er sich auf die Balance zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und Kontinuität und dem Drang nach Veränderung, Wachstum und Entwicklung.

Eugene - Party Queen

Wer Eugene auf der Bühne erlebt hat, weiss, was für ein fantastischer Tänzer er war. Sein geschmeidiger Körper, seine präzisen Bewegungen und seine Emotionalität zogen die Blicke auf sich. Aber die Blicke zog er nicht nur auf sich, wenn er auf der Bühne stand. Wo immer Eugene auftauchte – und er war viel unterwegs in Bern – wurde er sofort wahrgenommen. Er zog die Menschen an wie ein Magnet. Wenn Eugene da war, herrschte Partystimmung. Besonders dann, wenn er als Drag-Queen Ginger C Brown auftrat. Er kannte keine Berührungsängste und ging vorurteilsfrei auf die unterschiedlichsten Menschen zu. Diese Eigenschaften machten ihn nicht nur zu einer Party-Queen, sondern auch zu einem beliebten Lehrer. Er unterrichtete Jazz- und Pole-Dance. Als Tanzlehrer förderte er die Freude an der Bewegung und sagte überzeugt: «Der Körper lügt nie. Wenn wir auf ihn hören, dann sind wir mit uns in Kontakt».

Eugen war auch für seine Spontaneität bekannt. Eine schöne Anekdote begab sich, als Amal Chaoui 2011 für die Berner gay-Agenda ein Porträt über ihn schrieb. Als es darum ging, noch ein Foto für den Artikel zu schiessen, sprach Eugene spontan ein paar Berner Hetero-Jungs an, um mit ihm für das Foto zu posieren. Eugene, halb nackt auf einem Thron ähnlichen Stuhl, mitten in den Berner Gassen, umgeben von Männern – eine echte Queen! Amal schrieb damals «Sein Motto ist: Liebe dich selbst zuerst, respektiere andere und denke nie, dass du etwas nicht tun kannst, denn es gibt nichts, das dich in dem, was du willst, hindert». Eugene lebt diese Überzeugung und wird durch den innigen Wunsch motiviert, Heteros und Homos zusammenzuführen, damit beide Seiten die Berührungsängste abbauen können.»

Eugene engagierte sich auch für das GAYWEST Festival. Er hat das Festival auf dem Bundesplatz nicht nur ideell unterstützt, sondern ist dort auch jeweils aufgetreten. In ihrem Nachruf schreibt GAYWEST: «Sein Charakter ist prägend und wir sind zutiefst traurig über diesen enormen Verlust im grauen überangepassten „politisch korrekten“ Alltag der Schweiz, vor allem aber Berns. Das Motto Let’s Dance ist so passend für ihn und uns alle. Dank unserem Eugene werden wir am Samstag, 3. September 2016 das GAYWEST Festival weiter tragen und in seinem Sinn und Wunsch über die Bühne gehen lassen: Tanzend, fröhlich – GAY! Er hat uns die Kraft und seine stete Motivation gegeben, allen Hürden zu trotzen und mit Eleganz und GayPower das Festival zu sein, das den Regenbogen aufleben lässt: Das Unmögliche möglich machend, das Mögliche elegant und das Elegante einfach.» 

Am 27. Februar hörte sein grosses Herz auf zu schlagen. Eugenes Tod ist ein herber Verlust. Nicht nur für seine Angehörigen und Freunde, sondern auch für Bern. Wir werden seine fröhliche Art, seinen Tanz und sein Engagement schmerzlich vermissen. 

Infos
Datum: 31.03.2016
Autor: Ludwig Zeller
Facebook
Mehr Artikel
COCO – Das Musical
Wie eine Sternschnuppe erleuchtet Eve-Claudine Loretan, alias Coco, in den 90er-Jahren die Berner Szene. Mit ihrem extravaganten Styling inspirierte sie Kulturschaffende, und ihre Geschlechtsanpassung wurde fürs Fernsehen dokumentiert. So wurde sie zur berühmteste Transfrau der Schweiz. Auch 20 Jahre nach ihrem Selbstmord inspiriert sie Menschen. In der Vidmar Halle wird ein Musical gezeigt, das ihr Leben erzählt. Ludwig Zeller, Autor von gaybern.ch, erinnert sich an die ersten Begegnungen mit Coco. Mehr
Für seinen neuen Song springt Patric nackt von der Brücke!
Der Berner Sänger Patric hat eine neue Single auf dem Markt. «Island» ist eine ruhige Ballade und handelt von der Sehnsucht nach einer Insel. Er wird dabei gesanglich von Monya unterstützt. Mehr
Der Frauenraum in der Reitschule jubiliert!
Der Frauenraum in der Reitschule feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag! Am 17. Dezember wird in ihren Räumlichkeiten eine Ausstellung über die bewegte Geschichte des Frauenraum eröffnet. Begebt euch auf eine Zeitreise und trefft verschiedene Zeitzeugnisse sowie Momentaufnahmen in Text, Ton, Bild, Film und vielem mehr. Mehr