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Freizeit und Lifestyle

Alex Truffer: «Nur Männer im Fummel – wie langweilig! ...

Alex Truffer: «Nur Männer im Fummel – wie langweilig! ...

Aber die clevere Story von ‹Huit Femmes› gibt her». Für die Inszenierung der Kriminalkomödie «Huite Femmes – Die acht Frauen», die im September im Casino Theater Münsingen zu sehen ist, stellte sich der Regisseur Alex Truffer einer besonderen Herausforderung: Er besetzt die acht weiblichen Rollen mit männlichen Schauspielern. Wie man Männer dazu bringt, glaubwürdig eine Frau zu spielen, erfahren wir im Interview.

Wie bist du auf die Idee gekommen «Huit Femmes» mit Männern zu besetzen?

Um ehrlich zu sein – die Idee kam von einem guten Kollegen. Er setzte mir vor zwei Jahren diesen Floh ins Ohr. Erst schlug ich den Vorschlag aus. «Acht Männer in Frauenklamotten? Das ist mir zu banal, abgedroschen und wir haben es schon x-mal gesehen» war meine Antwort. Doch der Floh blieb hängen. Was mir an der Idee fehlte, war der besondere Kick. Diesen fand ich dann mit dem herrschaftlichen Saal des Casino Theaters in Münsingen, um darin ein Dîner spéctacle zu realisieren. Also mehr als einfach nur einen Theaterabend. Einen Event fürs Gemüt mit französischen Chansons und viel Witz und Schalk.

War es schwierig Schauspieler zu finden, die sich auf das Abenteuer einlassen wollten? 

Obwohl ich sehr viele männliche Darsteller kenne, war die Besetzung der Rollen nicht das einfachste Unterfangen. Entsprechend habe ich das Casting schon vor einem Jahr angesetzt. Viele zeigten Interesse – darin war kein Mangel. Aber nebst ausgereifter Darstellungskunst waren Statur, Behaarung und ein natürlicher Umgang mit der femininen Seite im Mann wichtige Kriterien. Die Stimme können wir nicht ändern – da bleibt Mann ein Mann.             

Eine besondere Herausforderung für Männer ist bestimmt das Laufen mit Stöckelschuhen. Wer trainierte sie?

Ich gab ihnen das Training! Aber ich habe mich bei einer Kollegin aus der Modebranche mit Catwalk-Erfahrung rückversichert. Um auf Pumps glaubhaft rüberzukommen, gibt es drei wichtige Punkte zu beachten: Erstens kurze Schritte, zweitens das Bewusstsein auf der Fussballe zu laufen und nicht auf dem ganzen Fuss, drittens – je nach Rolle – viel Hüftschwung. Der Rest liegt in der Natur des Mannes und seinem weiblichen Anteil.       

Das Optische ist natürlich auch sehr wichtig. Mit Make-up und Kostümen kann man schon viel machen, um wie eine Frau auszusehen. Und dann spielt das Stück auch noch in den 50er-Jahren, welche modisch sehr bunt und ausladend waren. Wer ist dafür verantwortlich? 

Das Optische ist das Allerwichtigste – insbesondere mit unserer selbst gelegten Messlatte so nahe wie nur möglich an die Figuren der bekannten französischen Verfilmung heranzukommen. Entsprechend tragen alle Darsteller massgeschneiderte Kostüme aus den 50er-Jahren. Das Unternehmen «Diva obscura» hat uns das perfekte Haar dazu verpasst und drei Visagistinnen betreuen das Ensemble.          

Neben dem Laufen und dem Outfit, worauf musst du bei den Proben besonders achten, damit die Männer auch tatsächlich wie Frauen rüberkommen? 

Als Frau einfach nur adrett zu sitzen oder zu stehen ist auch ganz anders und musste den Jungs immer wieder ins Bewusstsein gebracht werden. Auch eine laszive Kopfbewegungen oder ein Augenaufschlag kann – je nach Situation und Rolle – von Bedeutung sein.        

Die meisten schwulen Männer haben sich für eine Party schon mal in Frauenkleider gestürzt. Warst du auch schon mal in Drag unterwegs? Was für einen Typ Frau bist du? 

Selten bin ich als Frau unterwegs. Aber wenn, macht es mir immer Spass. Als ich in Spanien arbeitete, haben wir im Animationsteam zwei abendfüllende Travestie-Shows auf die Bühne gebracht. Das war extrem spannend und eine grosse Herausforderung. Welcher Typ Frau ich bin? Eigentlich gar keine Frau – eher ein androgynes Wesen, wie Frank’n Furter in Rocky Horror Show oder der Conférencier in Cabaret. Solche Figuren liebe ich!  

Männer im Fummel machen nicht alles automatisch spannender. Da braucht es auch eine gute Story. Was hat dich an der Kriminalkomödie «Huit Femmes» überzeugt, sie zu inszenieren?

Das stimmt absolut! Nur Männer im Fummel – wie langweilig! Aber die clevere Story von «Huit Femmes» gibt dramaturgisch viel her, hat Wortwitz auf hohem Niveau und ist nach alter Agatha Christie Manier gestrickt. Dazu kommt hier der komödiantische Anteil, in welchem die acht Frauen sich den «Zickenkrieg» erklären und die Mörderin im eigenen Kreis suchen. Denn… jede der Frauen hat ein Motiv für den Mord. Da ist schrille Unterhaltung pur angesagt.          

«Huit Femmes» wurde ja in den 50er-Jahren geschrieben. Hat es trotzdem noch einen Bezug zu heute? Sind die Frauenrollen noch zeitgemäss? 

Aber sicher sind die Frauenrollen noch zeitgemäss. «Zickenkriege» um Geld, Rum und Liebe oder wie trickst man seine Rivalin clever aus, sind nach wie vor Themen der Frau – nur die Hilfsmittel dazu (Handy, Internet, Facebook usw.) sind moderner und raffinierter geworden.   

Auch die Musik spielt in deiner Produktion eine grosse Rolle. Von wem ist die und wie wird sie in den Abend integriert?

In der französischen Verfilmung hat jede Frauenfigur ihr Lied. Das haben wir versucht aufzufangen und in unserer Inszenierung entsprechend anzupassen. Das Frauengesangsduo Les Oh’Nanas  wird mit acht bekannten Chansons den Theaterabend umrahmen und das Publikum (wer dies zusätzlich möchte) bei Amuse-Bouches musikalisch verwöhnen. 

Mit der HAB ins Theater

Theaterbesuch «Die acht Frauen» im Casino Theater Münsingen am 14. Sept. um 18:30 Uhr. Verbindliche Anmeldung bis 5. September auf www.hab.lgbt. Der Eintrittspreis von CHF 55.- ist vor Ort zu bezahlen. Der Eintrittspreis beinhaltet einen Logenplatz, fünf salzige und vier süsse Amuse-Bouches, ein Getränk und bekannte französische Chansons.

Mehr Infos auf www.artandmusic.ch

Infos
Datum: 01.09.2016
Autor: Ludwig Zeller
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