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Lesbischwules Bern

Die letzte gayAgenda

Die letzte gayAgenda

Im warmen Mai 1999 ist die erste gayAgenda erschienen. Jetzt, im kalten Januar, wurde die 195. Ausgabe verschickt und aufgelegt, und es ist vielleicht das letzte Mal, dass du das Ausgehmagazin für die Berner LGBT-Community lesen kannst.

18 Jahre lang wurde die Berner gayAgenda von den HAB (Homosexuelle Arbeitsgruppen Bern) herausgegeben und finanziert. Jetzt ist Schluss damit. Wir haben bereits darüber berichtet: Den HAB wurden vom Kanton die Beiträge gestrichen, die zum Erhalt des Beratungsangebots der HAB gebraucht wurden. Der Verein muss nun die Beratung aus eigenen Mitteln finanzieren. Das heisst aber auch, dass nicht mehr genug Geld da ist, um die gayAgenda zu finanzieren. Denn von den Inseraten und Abonnenten allein kann das Magazin nicht getragen werden, es brauchte auch einen Teil der Mitgliederbeiträge. Dem HAB-Vorstand fiel die Entscheidung nicht leicht, die gayAgenda aufzugeben, um die Beratung aufrechterhalten zu können. Mit einer Mehrheit hat die Mitgliederversammlung der HAB diese Entscheidung aber bestätigt. Sie überlässt es nun dem langjährigen Redaktionsleiter Ludwig Zeller, die gayAgenda weiterzuführen. Die Namensrechte für die gayAgenda und das Internetportal gaybern.ch wurden auf ihn übertragen. 

gayAgenda 1999 – 2017

Das Konzept zu Berns Ausgehfibel hat Urs Küenzi zum Abschluss seines Medienstudiums geschrieben. Zusammen mit Ludwig Zeller hatte er die geniale Idee, über das Neuste der Berner Gay-Szene monatlich zu berichten. Im Mai 1999 ist die gayAgenda erstmals erschienen. Der Leitartikel unter dem Titel «Warmes Rauschen im Berner Blätterwald» informierte die Lesenden über das neue Medium. Seit 2002 gibt es die gayAgenda auch online auf www.gay-bern.ch.  

Bis heute blieb Ludwig Zeller der Drahtzieher rund um die Berner gayAgenda. Er leitet die Redaktion, ist für das Layout verantwortlich, für die Inserenten und schreibt die meisten Artikel. Für seine Arbeit wurde er von den HAB entschädigt, welche auch Herausgeberin des Magazins waren und das finanzielle Risiko trugen. Alle anderen Redaktionsmitglieder arbeiten unentgeltlich mit. 

Was mit den Gratis-Zeitungen heute «gang und gäbe» ist, hat die gay-Agenda von Beginn an angeboten: Kurze und prägnante Texte, gegliedert in verschiedene Rubriken. Das Mousse des Monats, die Rubrik Kurz&Heftig und die Terminagenda waren von Anfang an fester Bestandteil und gaben den Lesenden schnell den Überblick, was in Bern alles läuft. Auch die Kolumnen, für die verschiedene Gastautoren gewonnen werden konnten, wie die Schriftstellerin Daniela Schenk, der Schauspieler Christoph Matt und die TGNS-Mitglieder* Henry und Fränzi, waren für die Selbstreflexion von Schwulen, Lesben und Trans* wertvoll. Immer etwas zum Schmunzeln gab uns Martin Stüdeli alias Yodok, der jahrelang den Cartoon zeichnete. Über aktuelle Musik informierte uns DJ Corey mit seinen Tipps in der gayAgenda und im GayRadio auf RaBe, die HAB-Bibliothek und Queerbook stellten uns jeweils die neusten Bücher oder DVDs vor.

Bild 1

Bild: Redaktionsleiter Ludwig Zeller mit Dirk Bach im Hotel Bellvue, Bern

Die Höhepunkte waren sicherlich, wenn Prominente der gayAgenda ein Interview gaben. Die Bandbreite der Prominenten, welche die Fragen des Redaktionsteams beantwortet haben, reicht vom Berner Regierungsrat Bernhard Pulver, der Berner Regisseurin Veronika Minder bis zum schwedischen Musikproduzenten Alexander Bard (Army of Lovers, Alcazar), Sänger Michael von der Heide und dem Schauspieler Dirk Bach, den wir im Hotel Bellevue trafen, als er im Stadttheater Bern ein Engagement als Puck in Sommernachtstraum hatte. Aber nicht nur Promis wurden in der gayAgenda vorgestellt. Ein wichtiger Bestandteil im Heft sind die Bernerinnen und Berner. In der Rubrik «Mein Bern» und in Porträts wurden die verschiedensten Leute aus der Region vorgestellt. Seien es DJs, Kulturschaffende, Gewerbetreibende oder einfach sonst spannende und interessante Leute aus der Berner LGBT-Community.

Auch Politik war immer wieder Thema in der gayAgenda. Der steinerne Weg bis zur Inkraftsetzung des Partnerschaftsgesetzes wurde begleitet und wenn in Bern Wahlen stattfanden, gaben wir den LGBT-Kandidat*innen Platz, um sich vorzustellen. Zur Pride in Bern ist 2000 sogar eine Sonderausgabe erschienen, was wohl 2017 nicht mehr der Fall sein wird. 

Besonders viele Artikel in der gayAgenda drehten sich um Kultur, wie es sich für ein Ausgehmagazin gehört. Für viele kulturschaffende Schwule und Lesben in Bern war die gayAgenda ein wichtiges Medium, um ihre neusten Theater-, Film-, Musik- oder Tanzproduktionen vorzustellen. Zum Beispiel wurde über die in Bern heimische queere Tanzgruppe Pink Mama Theater berichtet, die inzwischen international Erfolge feiert. Gerne stellten wir auch die neusten Inszenierungen von den schwulen Theaterregisseuren Alex Truffer und Alec Broennimann vor. Oder wir berichteten ausführlich über die spannenden Ausstellungen «Bob, le Flaneur», über den Berner Alfred «Bob» Steffen, der Nacktmodell, Weltenbummler, Partykönig und Dekorateur in einem war. Auch die Ausstellung über den Maler Ricco Wassmer im Kunstmuseum Bern anlässlich seines 100. Geburtstags wurde prominent besprochen. 

Nicht zu vergessen die Partymacher*innen! Sie bescherten uns einige Mousse des Monats. Die gayAgenda hat viele Partys kommen und gehen sehen. Wer erinnert sich noch an True Colors, Welle oder Felix? Heute heissen die angesagten Partys Bloc und Harry. Und seit Beginn der gayAgenda findet jeden Monat im ISC das Tolerdance statt. 

Das besondere an der gayAgenda ist nicht nur, dass sie sich auf die Region Bern konzentrierte, sondern dass sie tatsächlich LGBT ist. Frauen- und Männerthemen werden gleichberechtigt behandelt und auch die Trans*Fraktion kommt regelmässig zu Wort. 

Wie weiter?

Eins vorweg: Das Internetportal gaybern.ch bleibt sicher bestehen! Du kannst dich also auch weiterhin darüber informieren, was in Bern los ist. Wir werden die Ausgehdaten wie bis anhin sammeln, bereitstellen und kleine Berichte schreiben. Die Website wird allerdings überarbeitet und auf den neusten technischen Stand gebracht, so dass du gaybern.ch auch auf deinem Handy und Tablet problemlos anschauen kannst. Wir werden auch weiterhin unseren Newsletter versenden. Also, falls du auf dem Laufenden bleiben willst, melde dich für den Newsletter auf www.gabern.ch an. Das Internetportal sollte sich mit Banners und Sponsoren finanzieren lassen. 

Aufwändiger in der Produktion ist die gedruckte Ausgabe der gayAgenda. Es ist nicht nur der Druck, sondern auch der Versand der kostet und auch der Redaktionsleiter Ludwig Zeller kann es sich nicht leisten, gratis zu arbeiten – ausser er wird Lottomillionär. Natürlich möchten wir, dass die gayAgenda weiterhin gratis in den Lokalen aufliegt, aber deswegen Schulden machen wollen wir dann doch nicht. Es muss also wohl überlegt sein, wie die gayAgenda in Zukunft finanziert werden kann. «Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Möglichkeiten kommen mir in den Sinn», sagt Ludwig Zeller. «Es wird jetzt erstmal eine Pause geben. Die Zeit nutze ich, um ein neues Konzept zu erarbeiten und mit verschieden Leuten aus der Berner LGBT-Szene zu reden, um zu eruieren, was sie sich wünschen und wie sie sich eine finanzielle Unterstützung vorstellen können.» 

Eine Möglichkeit wäre, die gayAgenda nur noch im 2-Monats-Rhythmus herauszugeben, also nur noch 6-mal pro Jahr, anstatt wie bisher 11-mal. Auch eine Formatänderung oder gar eine Namensänderung sind nicht ausgeschlossen. Vielleicht macht ein Trägerverein Sinn oder teurere und vor allem mehr Inserate. 

Liebe Leserinnen und Leser, wenn ihr eine Idee habt oder sogar mithelfen wollt, eine neue gayAgenda zu gestalten, dann meldet euch bei der Redaktion (redaktion@-gaybern.ch). Wir freuen uns auf Inputs!

Wir möchten uns herzlich bei allen bedanken, welche die Berner gay-Agenda regelmässig gelesen, Artikel geschrieben, Inserate geschaltet oder uns ihre Hinweise auf Veranstaltungen geschickt haben. 

Ludwig Zeller

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Infos
Datum: 28.12.2016
Autor: Ludwig Zeller
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