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CD-Tipps

DJ Coreys Musiktipps für den April

DJ Coreys Musiktipps für den April

Nicht so gut, aber gut genug für die Charts: Zara Larsson, der neue schwedische Exportschlager, ist eine Spur zu offensichtlich auf Hochglanz und Hits getrimmt. Pianoballaden: Vom Lieben und Leiden der jungen Frances. Cooler Dark-Pop mit unverblümter LGBT-Poesie: MUNA sind der neuste Highlight in Sachen Synthie-Pop. Reise in die Vergangenheit: Hurray For The Riff Raff begeben sich auf Identitätssuche. Arca: der venezolanische Produzent setzt zum ersten Mal seine Stimme als Instrument ein. Cleverer Schachzug: Imelda May gibt den Thron der Rockabilly-Queen ab und springt auf den Blues-Zug. Zwischen zwei Polen: Goldfrapp möchten nicht nur das Tanzbein schwingen, sondern auch in Esoterik-Träumen schwelgen.

ZARA LARSSON

So Good (Epic Records)

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2008, als sie zehn Jahre alt war, gewann Zara Larsson die schwedische Version des Supertalents. Ihr zweites internationales Album ist natürlich nicht so gut, wie dessen prätentiöser Titel verspricht. Doch wie bei allen grössten Popstars strahlt ihr Stern ganz hell am Firmament, selbst wenn das Songmaterial ihrem Talent nicht gerecht wird. Aber wenn die Tracks wirklich stimmen, läuft Zara Larsson erst recht auf Hochform auf.  


 

FRANCES

Things I’ve Never Said (Cookie)

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Adele ist ihr prominentester Fan. Wie die Rekordsängerin hat die 23-jährige Musikerin ein sicheres Händchen für Melodie und Gefühl. In den intensiven Balladen genügen meistens nur ihre wandlungsfähige Soul-Stimme und ihr zurückhaltendes Klavierspiel, um Gänsehaut zu erzeugen. Aber auch in den wenigen, elektronisch angehauchten Pop-Nummern macht Frances durchaus eine gute Figur. 


 

MUNA

About You (RCA/Sony)

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Muna bestehen aus Katie Gavin, Josette Maskin und Naomi McPherson. Dieses kalifornische Frauentrio sieht sich selber als Sprachrohr einer neuen jungen LGBT-Bewegung. Muna fühlen sich im dunklen Synth-Pop à la Shura, Haim und Tegan & Sara zuhause. Politik und Poesie liegen ihnen ebenso am Herzen. Auf «I Know A Place» sehnen sich Muna nach einem Platz, wo alle ihre queere Liebe frei und unbeschwert ausleben können. Diese Nummer hat das Zeug zur nächsten LGBT-Hymne. 


 

HURRAY FOR THE RIFF RAFF

The Navigator (ATO/PIAS)

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Frontfrau Alynda Segarra erzählt auf «The Navigator» ihre eigene Geschichte. Als Kind von puertoricanischen Einwanderern im Bronx aufgewachsen, begibt sie sich in die Heimat ihrer Vorfahren. Sie ehrt damit eine hart arbeitende Bevölkerungsschicht, die sich gegen neue Grenzzäune wehrt und auf sozialer Anerkennung beharrt. Latin-Rhythmen, Rock, Country und Gospel-Soul prägen diese Protestsongs über die eigene Herkunft, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und auf ein friedliches Zusammenleben.  

ARCA

Arca (XL Recordings)

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Nach zwei rein instrumentalen Alben vollzieht Arca den Wechsel vom Produzent (Björk, FKA Twigs) zum queeren Performance-Künstler. Auf seinem Debüt für XL Recordings ist zum ersten Mal seine warme und zugleich beunruhigende Stimme zu hören, die gegen eine Wand düsterer Elektronik kämpft. Erst mit den gespenstischen Videos von Jesse Kanda, der auch für den grandiosen Album-Cover-Artwork verantwortlich ist, vermag sich Arcas Musik in ihrer vollen Grösse zu zeigen.


 

IMELDA MAY

Life Love Flesh Blood (DECCA)

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Nach drei Alben im Zeichen eines bissigen Rockabilly-Sound befreit sich Imelda May von Haartolle und Petticoat. Der bisherige stilistische Korsett ist ihr plötzlich zu eng geworden. Mit «Life Love Flesh Blood» präsentiert die irische Sängerin ihr brandneues Ich. Nunmehr legt Imelda May Wert auf schnörkellosen Blues, Country und Soul. Mit Produzent-Legende T-Bone Burnett findet sie zu einem reiferen und bei weitem sinnlicheren Sound. Ein mutiger Schritt in eine neue starke Richtung. 


 

GOLDFRAPP

Silver Eye (Mute)


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Auch 17 Jahre nach ihrem gefeierten Debüt «Felt Mountain» wollen sich Alison Goldfrapp und Will Gregory musikalisch nicht festlegen. So oszilliert das Duo auf dem siebten Opus «Silver Eye» zwischen Trip-Hop, Elektro-Pop, Disco, mystischem Folk und einem Hauch Esoterik. Zwischen exklusiven Clubs und beeindruckenden Mondlandschaften. Auf diesem breitgefächerten Klangfeld bleibt Allison Goldfrapps unterkühlter Gesang die einzige Konstante. 

Infos
Datum: 31.12.2016
Rubrik: CD-Tipps
Autor: DJ Corey
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