gaybern.ch | ha-bern.ch | 3gang.ch | cominginn.ch
gaybern.ch - lesbischwules portal für bern der hab
CD-Tipps

DJ Coreys Musiktipps für den März

DJ Coreys Musiktipps für den März

Von Frau zu Frau: Syd enthüllt ihre feinen Verführungskünste. Von Mann zu Mann: Michele Bravi trauert seiner grossen Liebe nach. Für die Bürgerrechte: Rhiannon Gibbons Roots Music ruft zum Widerstand gegen Unterdrückung auf. Queer-Dance und Queer-Punk: Anohnis und Xiu Xius finstere Dissonanzen. Last but not least: Depeche Mode machen ihren Synthie-Pop wieder relevant.

Bild 3SYD

Fin (Columbia/Sony)

Süd, Frontfrau der Neo-Soul und R&B-Band The Internet sowie Ex-Mitglied im Odd-Future-Kollektiv wagt den Alleingang. Auf «Fin» holt die Sängerin mit dem Mohawk-Schnitt den Neunziger-Soul von Aaliyah und TLC aus der Versenkung und schmückt ihn mit aktuellen Trap-Einflüssen und entspannten Beats. Bereits 2011 outete sich Syd im Internet-Stück «Cocaine» als lesbisch. In ihren neuen Songs hat sie den Kampf um ihre sexuelle Identität durch eine Welt voller Sehnsucht und Lust abgelöst. Es ist schlicht ein Vergnügen zu hören, wie Syd ihre Angebetete umwirbt. Wer Beyoncés «Lemonade» und Solanges «A Seat At A Table» geliebt hat, wird auch mit Syds «Fin» ganz glücklich werden. 

 

Bild 2MICHELE BRAVI

Anime di carta (Universal)

Der ehemalige Sieger von X-Factor Italia (2013) kriegt nach einem kreativen und persönlichen Tief wieder die Kurve. Sein Song «Il diario degli errori» konnte sich am letzten San-Remo-Festival einen stolzen vierten Platz sichern. Auf «Anime di carta» öffnet Michele Bravo sein Tagebuch und erzählt von allen Fehlentscheidungen, die ihm zu einem erwachsenen jungen Mann gemacht haben. Im Kern geht es aber um ein «Break-up»-Album, mit dem er das Ende seiner bisher wichtigsten Beziehung zu einem Mann verarbeitet. Für diese Ode an die seelischen Wunden, wo sich Pop und Psychoanalyse elegant vermählen, konnte Michele Bravo auf die Hilfe der aktuell angesehensten Namen aus der italienischen Pop-Musik-Szene zählen.

 

Bild 6RHIANNON GIDDENS

Freedom Highway (Nonesuch)

Rhiannon Giddens hat zwar eine Ausbildung als Opernsängerin absolviert. Aber sie spielt lieber Banjo und Geige. Mit ihrer 2005 gegründeten Band Carolina Chocolate Drops eroberte sie die amerikanische Folk-Szene. Ihr Solo-Debüt «Tomorrow Is My Turn» eine Hommage an die grossen Sängerinnen der Bürgerrechtsbewegung wie z. B. Nina Simone, brachte ihr eine Grammy-Nominierung ein. «Freedom Highway» schlägt thematisch in die gleiche Kerbe. Allerdings hat Rhiannon Giddens diesmal neun eigene Songs und nur zwei Coverversionen im Gepäck. In einem erdigen bis schwerelosen Sound-Gewand erhebt sie ihre schwarze Stimme gegen Gewalt und Rassismus. Ihr Engagement ist bewundernswert. 

 

Bild 1ANOHNI

Paradise EP (Rough Trade / Beggars Group)

Vor nicht einmal einem Jahr legte die Transgender-Künstlerin Anohni ihr musikalisches Debüt «Hopelessness» vor, wo zeitgemässe Dance-Rhythmen mit politischen Statements kollidierten. Die EP «Paradise», eine Art kleinerer Bruder von «Hopelessness», setzt die glückliche Kollaboration mit den Avantgarde-Produzenten Oneohtrix Pointnever und Hudson Mohawks fort.



Bild 5XIU XIU

Forget (Altin Village & Mine / Indigo)

Auch die Queer-Band Xiu Xiu durchbricht mit ihrer eigenwilligen Sound-Ästhetik gängige Hörgewohnheiten. Auf ihrem 13. Album «Forget» schwanken Xiu und Xiu zwischen Sperrigkeit und Hymnenhaftigkeit. Von Postpunk bis zu verzerrten Songstrukturen loten sie die musikalischen Extreme aus.

 

Bild 4DEPECHE MODE

Spirit (Columbia)

 

Im 40. Karrierejahr befassen sich die Synthie-Pop-Veteranen zum ersten Mal intensiv mit politischen Themen wie Evolution, Revolution und Kontrollverlust. Neu holen DM den Produzenten James Ford von Simian Mobile Disco an Bord. Mit seiner manisch-akribischen Tüftelei haucht er dem typischen DM-Sound frisches Blut ein. Nach drei oberflächlichen Alben können DM ihre Hörer endlich wieder fesseln und deren Geist und Seele in einen hypnotischen Zustand versetzen. DM verleugnen ihre Vergangenheit nicht, sind aber offen für Neues und weigern sich dezidiert, sich in einem Elfenbeinturm zurückzuziehen. Mit seinen magischen Melodien und messerscharfen Texten fängt «Spirit» den Zeitgeist perfekt ein.   

Infos
Datum: 31.12.2016
Rubrik: CD-Tipps
Autor: DJ Corey
Facebook
Mehr Artikel
Musiktipps für den Februar 2017
DJ Coreys Musiktipps für den Februar: Das LGH-Trio (Hetero, Lesbe und Gay) THE XX aus Grossbritannien präsentieren nach 5 Jahren Pause ihr neues Album «See You». Die kanadische Band AUSTRA legen ihr bis dato ambitioniertes Werk vor: «Future Politics». Der Engländer SOHN macht Elektronische Musik und wird immer besser. ZAK ABEL, ehemaliger Tischtennispieler aus England präsentiert sein Debüt-Album. Ein wunderbares Talent ist die 26jährige Courtney Marie Andrews aus Amerika. Ihr Country-Folk Album «Honest Life» erinnert an Carol King und Joni Mitchell. Eine Entdeckung! Mehr
DJ Coreys Musiktipps für den April
Nicht so gut, aber gut genug für die Charts: Zara Larsson, der neue schwedische Exportschlager, ist eine Spur zu offensichtlich auf Hochglanz und Hits getrimmt. Pianoballaden: Vom Lieben und Leiden der jungen Frances. Cooler Dark-Pop mit unverblümter LGBT-Poesie: MUNA sind der neuste Highlight in Sachen Synthie-Pop. Reise in die Vergangenheit: Hurray For The Riff Raff begeben sich auf Identitätssuche. Arca: der venezolanische Produzent setzt zum ersten Mal seine Stimme als Instrument ein. Cleverer Schachzug: Imelda May gibt den Thron der Rockabilly-Queen ab und springt auf den Blues-Zug. Zwischen zwei Polen: Goldfrapp möchten nicht nur das Tanzbein schwingen, sondern auch in Esoterik-Träumen schwelgen. Mehr
DJ Coreys Musiktipps für den Mai
40 Jahre Blondie: Debbie Harry und ihre Band klingen wieder frisch und unverbraucht. Neue Herausforderung nach 50 Jahren im Showgeschäft: Patti Labelle hat ein Jazz-Album aufgenommen. Von Kammerpop zu atemberaubendem opulentem Indie-Pop: Perfume Genius hat sein Songwriting perfektioniert. Das Warten hat sich gelohnt: Àsgeir bewährt sich als isländischer Prinz der Melancholie. Bring ihn heim: Francesco Gabbani, der ESC-Favorit aus Italien, reist mit Humor und einem Gorilla in die Ukraine. Kitsch, Drama und Dance-Pop: Steps retten den schlechten Geschmack. Keine Dramas mehr: Mary J. Blige ist mit neuem Selbstbewusstsein zurück und fordert Achtung und Respekt. Mehr