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Filmtipps

DALIDA - Ihr Leben als Film

DALIDA - Ihr Leben als Film

Dalida ist auch 30 Jahre nach ihrem Tod die grösste Gay Ikone Frankreichs. Jetzt wurde ihr Leben, das von beruflichen Höhenflügen und privaten Schicksalsschlägen geprägt war, von der Regisseurin Lisa Azuelos verfilmt.

30 Jahre ist es her, dass Dalida gestorben ist, und noch immer zählt sie zu den grössten Gay Ikonen Frankreichs. Aber nicht nur die Schwulen in Frankreich liebten sie, Dalida fand Fans auf der ganzen Welt. Sie hatte alles was eine Gay Ikone braucht: Sie sah spektakulär aus, war stark, unkonventionell und schillernd. Sie sang dramatische, herzergreifende Chansons aber auch Discosongs und Schlager. Ihre Kostüme glitzerten, sie strahlte, tanzte und bezauberte alle mit ihrer wunderbaren dunklen Stimme. Ihr Leben war eine Abfolge von beruflichen Höhenflügen und privaten Schicksalsschlägen. Mit 54 Jahren ist ihr dann alles zu viel geworden. Sie nahm eine Überdosis Schlafmittel und hat einen kurze Abschiedsbrief hinterlassen «La vie m'est insupportable. Pardonnez-moi» (Das Leben ist mir unerträglich geworden – vergebt mir.)

Alles nahm seinen Anfang am Nil. Dort kam Yolanda Gigliotti auf die Welt. Ihre Vorfahren waren Italienische Auswanderer die sich in Kairo niedergelassen haben. Mit 18 nahm sie erstmals heimlich an einem Schönheitswettbewerb teil. Drei Jahre später wurde sie dann zur Miss Ägypten gewählt. Dank dem Titel konnte sie sich Nebenrollen in ägyptischen Filmen ergatterte. Doch Kairo wurde ihr bald zu eng. Sie verliess ihre Familie um in Paris Schauspielerin zu werden. Doch der Plan liess sich nicht in Tat umsetzen, also nahm sie Gesangsunterricht. 1956 trat sie an einem Nachwuchswettbewerb an. Dort wurde sich von Lucien Morisse entdeckt. Der war künstlerischer Leiter des Radiosenders Europe 1. Er und der Produzent Eddy Barclay waren auf der Suche nach einer exotischen Sängerin – das war in den 50er Jahren grad sehr angesagt. In der jungen Frau aus Ägypten, mit dem charmanten Akzent glaubten sie die richtige gefunden zu haben. Sie nahmen sie unter Vertrag und änderten ihren Namen in Dalida. Die Rechnung ging auf. Schon die dritte Single «Bambino» (1957) wude ein Riesenerfolg. Ganze 31 Wochen blieb sie in Frankreich auf Platz 1 der Hitparade. Der Durchbruch war geschafft und für Dalida reiht sich nun ein Erfolg an dem anderen – und das in ganz Europa, mit Liedern in verschieden Sprachen. Zum Beispiel erreichte sie in Deutschland die Chartsspitze mit dem Schlager «Am Tag als der Regen kam» (1959). In der Schweiz landete sie erst 1974 auf dem ersten Platz der Hitparade mit dem Song «Gigi l’amoroso», ihr erfolgreichster Titel überhaupt. Doch zwischen diese beiden Erfolgen hat sich viel verändert im Leben von Dalida.

Bild 11961 heiratet sie Lucien Morisse, der inzwischen ihr Manager war. Doch dieser war mehr an ihrer Karriere interessiert als an Dalida als Frau. Er gönnte Dalida keine Pause. Plattenaufnahmen und Tournee wechselten sich ständig ab. Schon kurz nach der Hochzeit lernte sie eine anderen Mann kennen und lieben und liess sich von Morisse scheiden. Aber auch die zweite Beziehung war nicht von Dauer. Dafür kaufte sie sich eine Villa in Paris wo sie sich vom stressigen Leben als Star erholen konnte. Sie legte eine kurze Schaffenspause ein und beschloss: Es wird Zeit für eine Veränderung. Dalida änderte nicht nur ihre Haarfarbe auf blond, sonder auch ihr musikalisches Repertoire. Mehr Chansons und anspruchsvoller Lieder wollte sie singen. Neu ist auch, dass ihr schwuler Bruder Orlando das Management übernimmt. Die neue Dalida soll am San Remo Festival in Italien vorgestellt werden. Noch konnte sie nicht ahnen, dass dieser Auftritt zu einer der grössten Tragödien ihn ihrem Leben führen sollte.

1966 lernte sie den italienischen Liedermacher Luigi Tenco kennen. Sie verliebte sich sofort in diesen leidenschaftlichen und rebellischen jungen Mann. Die beiden entschliessen 1967 gemeinsam am Musikfestival in San Remo teilzunehmen mit dem von Tenco komponierten Song «Ciao Amore, Ciao» zum Thema Migration. Der Druck war gross. Dalida kam als grosser Star ans Festival, Luigi Tenco als junger Debütant. Der Auftritt endete in einem Fiasko. Von Lampenfieber geplagt versagt die Stimme Luigi Tencos. Dalidas Auftritt war zwar gelungen und doch lies die Jury den Song nicht weiter in den Finale. Luigi Tenco ist zutiefst verletzt. In eine Brief prangert er die Jury für ihre kommerzielle Entscheidung an, bevor er sich, unter dem Einfluss von Medikamenten und Alkohol, im Hotelzimmer erschoss. Dalida fand die Leiche ihres Verlobten. Sie war am Boden zerstört und versuchte sich einige Monate später ebenfalls das Leben zu nehmen. 

Dieser Schicksalsschlag änderte Dalida und es begann eine neue Ära. Sie trug lange weisse Kleider, reiste nach Indien und machte eine Psychoanalyse. Die Presse nannte sie die «Heilige Dalida». Sie sang jetzt Chanson von wie «Je suis malade» oder «Avec le temps» von Leo Ferré. Auch die Madonnen hafte Dalida wurde erfolgreich und ihre Fans liebten und verehrten sie mehr denn je. In dieser Ära entdeckten die Schwulen Dalida für sich als Gay Ikone.

Nach 20 sehr erfolgreichen Jahren im Musikbusiness startete sie in 70er Jahren noch einmal voll durch. Sie war in den Charts mit Titel wie «Il venait d’avoir 18 ans» oder dem schon erwähnten «Gigi l’amoroso», der zum grössten Hit ihrer Karriere wurde. Auch hat Dalida in Richard Chanfray eine neue Liebe und beruflich eine neue Herausforderung gefunden. Sie wollte mehr Show und sie wollte tanzen! Dafür ging Dalida nach New York um von den Besten zu lernen. So wurde sie zu Frankreichs erster Discoqueen und zum Showstar. Sie inszenierte aufwändige Shows in bester Broadway Manier mit Kostümwechsel, Orchester und Tänzern. Gleichzeitig besann sie sich auf ihre Anfänge. Sie besuchte Ägypten, tourte durch den Nahen Osten und nahm ein arabisches Album auf. Auch als Schauspielerin konnte sie sich endlich beweisen. 1986 spielte sie die Hauptrolle in Youssef Chahines Film «Le sixième jour» («Der sechste Tag»).

Beruflich hat Dalida alles erreicht. Sie wurde mit Preise überhäuft und mit der Liebe der Fans belohnt. Doch privat lief es nicht gut. Die Beziehung mit Richard Chanfray ging Anfangs 80er Jahr in die Brüche. Er nahm sich 3 Jahre später das Leben. Eine Augenoperation missglückte und Dalida schielte fortan. Sie fühlte sich einsam ohne Mann und ohne eigene Kinder. Sie war erschöpft und ausgelaugt. Am 2. Mai 1987 beschloss sie, aus dem Leben zu scheiden.

Bild 2Bis heute wird Dalida geliebt vom Publikum. Besonders ihre schwulen Fans gehören zu den treusten Verehrern. Sie konnten sich mit dieser Frau identifizieren die zwar beruflich sehr erfolgreich war, aber der ein privates Glück nicht vergönnt war. Es ist nicht nur der Glanz und der Glamour, der Dalida zu eine Gay Ikone machte, sondern auch ihre Stärke und ihren Ehrgeiz die gleichzeitig verknüpft waren mit der Zerbrechlichkeit und Schwermut einer vom Schicksal gebeutelten Frau. Dalida war auch privat von Schwulen umgeben. Ihr Bruder Orlando (Bild), der sie managte, war offen schwul und versorgte nach dem Tod seiner Schwester die Fans mit immer neuen Remixen und Compilations. Zu Dalida Freunden gehörten viele Homosexuelle, zum Beispiel Pascal Sevran, der «Il venait d’avoir 18 ans» geschrieben hat, oder Bertrand Delanoë, der ehemaliger Bürgermeister von Paris. Sie sang auch Lieder die das Thema Homosexualität beinhaltete wie in «Pour ne pas vivre seul» (…des filles aiment des filles, et l'on voit des garcons, pouser des garcons») und setze sich öffentlich für die Rechte von Homos ein. Dalida hat also zu Recht den Titel einer Gay Ikone verdient. 

Infos
Datum: 08.07.2017
Rubrik: Filmtipps
Autor: Ludwig Zeller
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