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CD-Tipps

DJ Coreys Musiktipps für den Sommer

DJ Coreys Musiktipps für den Sommer

Die dunkle Seite des Partylebens: Lorde ist mit «Melodrama» zurück. Die langsame Verführung: Cigarettes After Sex frönen einem alten Mythos. Denai Moore gibt dem Leiden junger Erwachsenen eine sanfte Stimme. Die Sängerin SZA aus Missouri mag vielleicht ihr Leben nicht im Griff haben, aber dafür hat sie klare musikalischen Vorstellungen. Überraschend anders: dem ehemaligen 80er-Star Alison Moyet ist ein abenteuerliches elektronisches Album gelungen. Durch die Nacht in den Tag: 2raumwohnung überzeugen mit einem Konzept-Album. Last but not least: Barbara, ein Monument des französischen Chansons, erlebt ein Revival mit einer neuen Generation von Sängerinnen.

Bild 8LORDE

«Melodrama»

Mit «Royals» hat die damals 16-jährige Lorde die Popwelt revolutioniert. Als Teenager mit Aussenseiterposition hat die Neuseeländerin mit dem allgegenwärtigen Celebrity-Kult abgerechnet. Lordes Debüts «Pure Heroine» (2013) soll auch den Pop-Visionär David Bowie dazu veranlasst haben, die Newcomerin als Zukunft der Pop-Musik zu bezeichnen. «Melodrama» besitzt die ungestüme Power der Twenjahre, die Lust, Neues auszuprobieren und Parties zu feiern, selbst wenn diese mit Trennungen und Einsamkeit enden. Im Vergleich zum Minimalismus vom Erstling steckt in «Melodrama» eine grosse Dosis Electro-Pop, überproduziert, hymnenhaft und opulent. Bei einem solchen Albumtitel dürfen Balladen zum Dahinschmelzen natürlich nicht fehlen. Lord setzt mit Produzent Jack Antonoff auf maximale Theatralik und gewinnt auf der ganzen Linie.

Bild 3Cigarettes After Sex

Die gute alte Zigarette danach gilt immer noch als Symbol für die Krönung eines ekstatischen Höhepunkts. Selbst Nichtraucher haben eine klare Vorstellung dieses genüsslichen Rituals. Cigarettes After Sex fangen auf zehn Songs dieses Gefühl zwischen Erfüllung des Liebesaktes und postkoitaler Müdigkeit auf, die schnell in eine Depression umschlagen kann. Ihr bittersüsser Zeitlupen-Dreampop ist das Wundermittel für die androgyne Stimme von Frontmann Greg Gonzales. Musik zwischen der Leichtigkeit einer lauen Sommernacht und verschwitzten Liebesszenen aus einem Film Noir. 


Bild 4

Denai Moore

«Elsewhere»

Die 23-jährige aus Jamaika stammende, aber in East London aufgewachsene Denai Moore hat schon auf der Debüt-EP „Saudade“ und dem ersten Album „Elsewhere“ eine bemerkenswerte Reife gezeigt. „We Used To Bloom“ ist ihre Coming-of-Age-Platte. Es geht um die Angst vor dem Erwachsenwerden und die Erkenntnis, dass die Blüte der Jugend allmählich verwelkt. Im Soul-Gesang ähnelt Denai Moore eher zurückhaltenden Sängerinnen wie Solange, Lianne  La Havas  oder Feist. Sie verquickt behutsam die Stile und wechselt fliegend die Rhythmen, vom modernen R&B zum Neo-Soul, vom Pop zum Folk und von zarter Elektronik bis zum Gospel. „We Used To Bloom“ ist eine ewig blühende Klanglandschaft.


Bild 7SZA

«CTRL»

SZA ist die erste und bisher einzige Frau auf dem kalifornischen Hip-Hop-Label Top Dawg Entertainment, das mit Acts wie Kendrick Lamar und Schoolboy Q international bekannt worden ist. Das Talent dieser 26-jährigen Sängerin aus Missouri hat ihr schon ein Feature auf Rihanna letztem Album „Anti“ eingebracht. Nach dem Mixtape „Z“ hat SZA drei Jahre an CTRL gefeilt. Entstanden ist ein entspanntes Kaleidoskop aus R&B, Hip-Hop, Neo-Soul und Indie-Pop. In ihren sinnlich geschmeidigen Slow James rückt ihre jazz- und soul-geschulte Stimme in den Mittelpunkt. CTRL handelt von SZAs Unvermögen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. In musikalischer Hinsicht weiss sie aber genau, was sie will. 


Bild 2

ALISON MOYET

«Other»

Other von ALISON MOYET ist der nächste Musik-Tipp von heute Abend. 
Mit «The Minutes» ist der britischen Pop-Ikone 2013 ein grandioses Musik-Comeback zwischen Synth-Pop, R&B und modernen Club-Sounds gelungen. Auch das Nachfolger-Album «Other», eine weitere Kollaboration mit Produzent und Songwriter Guy Sigsworth, tönt überraschend anders, als man von einem 80er-Star erwarten würde. Die ehemalige singende Hälfte von Yazoo ist sich der Unsichtbarkeit von Frauen 50plus bewusst. Deshalb wendet sie sich in ihren Texten der Beobachtung von komplexen Themen wie Legasthenie, Locked-In-Syndrom und das Internet. Das ganze Album ist von einer dunklen-mysteriösen und zugleich melancholischen Grundstimmung durchzogen. «Beautiful Gun» und «Happy Giddy» gehen ausnahmsweise mehr in Richtung Tanzfläche. Moyets bluesige Altstimme füllt die maschinelle Kühle des elektronischen Sound-Teppichs mit wahren Emotionen.

Bild 12raumwohung

«Nacht und Tag»

«Nacht und Tag» ist das 8. Album von 2raumwohnung.
 Seit ihrem Debüt «Kommt Zusammen» von 2001 verweben 2raumwohung auf ganz natürlicher Art und Weise NDW und elektronische Klubsounds mit deutschem Popsong. Inga Humpe und Thommy Eckhardt, die seit 1993 auch ein Paar sind, bezeichnen ihr achtes Opus als Konzept-Album. Jeden der 10 neuen Songs haben sie in einer Nacht- und einer Tag-Version aufgenommen. Während die Nachtversionen mit blubbernden Bässen und treibenden Dance-Beats aufwarten, wirken die Tag-Songs entspannt und verträumt wie ein Sonnenaufgang. Das Wechselspiel von Nacht- und Tagesstimmungen fasziniert. Neu singt Inga Humpe wechselseitig englisch und deutsch, wie damals Kraftwerk und Falco.  

Bild 5Elles & Barbara

Zum 20. Todestag der französischen Chanson-Legende Barbara erinnern dreizehn französische Sängerinnen der neueren Generationen (u.a. Zazie, Louane und Juliette Armanet) an die Dame in Schwarz. Wie keine andere hat Barbara von Regen und Rosen, vom Liebeskummer und der Melancholie gesungen. Die Poesie ihrer Lieder, darunter «Nantes», «L’Aigle Noir», «Marienbad» und «Göttingen», trifft und berührt heute wie gestern. Die Produzentin Edith Fambuena, welche bei diesem Projekt die Federführung übernommen hat ein klassisches und zugleich kühnes Album geschaffen, das bei jedem Ton eine Verbundenheit und eine tiefe Zuneigung für die Königin der Traurigkeit durchsickern lässt.   

Infos
Datum: 13.07.2017
Rubrik: CD-Tipps
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