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CD-Tipps

DJ Coreys Musiktipps für den November 2017

DJ Coreys Musiktipps für den November 2017

Späte Genugtuung: George Michaels Talent lebt auf der Neuauflage seines zweiten Solo-Albums weiter und beschert ihm eine weitere Nummer-Eins-Platzierung in den britischen Albumcharts. Aus dem Tagebuch von Sam Smith: Der britische Superstar trauert einer weiteren gescheiterten Beziehung nach. Raffinierte R&B-Diva übt sich in Zurückhaltung: Jessie Ware lädt ins Glashaus ein. Zwischen Art und Pop: Das fünfte Album von St. Vincent etabliert sie definitiv zur Lady Gaga der Alternative-Szene. Die Schattenseiten eines Nachtfalters: Oscar and The Wolfs Träume sind besser als seine Nächte. DJ-Ikone, LGBT-Aktivistin und Mode-Botschafterin: Honey Dijon vereint auf ihrem Debüt das Beste aus ihren Welten. Schwuler Chansonnier: Der Kanadier Pierre Lapointe sinniert über die Wissenschaft des Herzens.

Bild 1GEORGE MICHAEL

Listen Without Prejudice (Sony Music)

Mit seinem ersten Solo-Album “Faith” (1987) war der Ex-Wham-Sänger endgültig in den Olymp der Megastars angekommen. Doch nach der 137 Daten umfassenden Welttournee wurde ihm bewusst, dass das nicht die Art von Leben war, die er persönlich gern geführt hätte. Mit “Listen Without Prejudice” (1990) manövrierte sich George Michael gekonnt aus der Teenie-Ecke heraus. Er leistete sich den Luxus, dem Diktat seiner Plattenfirma nicht zu gehorchen. Auf dem Cover war nicht mehr sein Konterfei zu sehen und im Video zu „Freedom ! 90“ liess er lieber fünf damalige Supermodels tanzen. Die Neuauflage seines zweiten Solo-Albums mit der bisher unveröffentlichtem 'MTV Unplugged'-Session und weiteren Bonustracks bestätigt einmal mehr sein unbestrittenes Talent als Songwriter und Sänger.

 

Bild 2SAM SMITH

The Thrill Of It All (Capitol)

Mit seinem Debüt “In The Lonely Hour” schaffte Sam Smith 2014 den internationalen Durchbruch. Nach Plattenverkäufen in Millionenhöhe, 4 Grammy Awards und dem Oscar für “The Writing’s On The Wall“ verlor der Sänger plötzlich die Bodenhaftung und fiel in ein Kreativitätsloch. Die Schattenseiten des Ruhms, aber vor allem eine weitere, in die Brüche gegangene Beziehung lieferten ihn dann die Inspiration für die neuen Songs. „The Thrill Of It All“ unterscheidet sich nicht gross vom Debüt. Soul, Gospel und klassischer R&B sind wie geschaffen für seine herzzerreissenden Edelschnulzen. Seine Stimme ist das Kirschlein auf der Torte, mal zart, mal roh, mal süss, mal tief, mal in schwindelerregenden Höhen. Mit „The Thrill Of It All“ zementiert Sam Smith seinen Status als Balladenkönig und männliche Adele.  

 

Bild 3JESSIE WARE

Glasshouse (Island/Universal)

Auf ihrem Debüt „Devotion“ (2012) schlug Jessie Ware eine Brücke zwischen Vergangenheit und Neuzeit des britischen Soul, nachdem sie zu Beginn ihrer Karriere als Gast-Sängerin für Dance-Acts wie SBTRKT und Disclosure ihre ersten Sporen verdient hatte. Auf ihrem zweiten Album „Though Love“ (2014) begann die Sängerin, mit Pop-Elementen zu liebäugeln. Und mit ihrem dritten, sehr vielseitigen Opus „Glasshouse“ entwickelt sich die 33-Jährige zur vornehmen Grande Dame des gediegenen Soul-Pop. Auf der Ballade „Alone“ erreicht sie die gleiche intensive Emotionalität einer Adele. „Selfish Love“ überrascht mit seinen Flamenco-Anleihen, „Finish What We Started“ bringt den Groove in die Bude und die akustische Ballade „Sam“ ist eine hübsche Ode an ihren gleichnamigen Ehemann.

 

Bild 4ST. VINCENT

Masseduction (Caroline International)

In der letzten Zeit war sie wegen ihrer Beziehungen zu Cara Delevigne und Kristen Stewart eher in der Boulevardpresse als in Musikzeitschriften zu finden. Aber mit ihrem fünften Album beweist St. Vincent aka Annie Clark, dass sie nach wie vor als eine der unkonventionellsten Musikerinnen unserer Tage gilt. Zwischen New York und Los Angeles eingespielt, ist „Masseduction“ ein ambitioniertes Werk, das einer von Maschinen dominierten Welt Menschlichkeit und Sinnlichkeit zu verleihen sucht. Das Album hat mehr mit Depeche Mode, Peaches und Giorgio Moroder gemeinsam, als mit St. Vincents bisherigem rockorientiertem Kammerpop. „Masseduction“ wird ihr bestimmt den Titel der Lady Gaga der Alternative-Szene sichern.   

 

Bild 5OSCAR AND THE WOLF

Infinity (PIAS)

Hinter Oscar And The Wolf versteckt sich das Einmann-Projekt des belgischen Sängers und Musikers Max Colombie. In seiner Heimat  geniesst Oscar And The Wolf Superstarstatus. Mit seinen Konzerten, wo er seinen Hang für königlichen Stage-Outfits ausgiebig auslebt, füllt Max dort Stadien. Bereits der Projektname ist Programm. Oscar steht für den unheilbaren Romantiker, The Wolf für nächtliche Ausschweifungen und die Einsamkeit danach. Entsprechend kontrastreich ist die Musik, die eine breite Stilpalette zwischen Frank Oceans Neo Soul, Hercules And Love Affairs Disco-Beats, James Blakes Elektronik und Lana Del Reys Laszivität abdeckt. Mit „Infinity“ überzeugt Max Colombie mit sexy, tanzbaren, aber auch experimentelleren und ruhigeren Dream-Pop-Stücken.

 

Bild 6HONEY DIJON

The Best Of Both Worlds (Classic Music Company)

Die aus Chicago stammende Honey Dijon ist eine der renommiertesten DJs unserer Zeit. Von House-Legenden wie Derrick Carter und Danny Tenaglia liess sie sich die nötigen DJ-Skills beibringen. Auf ihrem ersten Album „The Best Of Both Worlds“ unternimmt Honey Dijon eine musikalische Reise in die queeren New Yorker Underground-Szene der 1990er-Jahre, wo sie aufwuchs und als Transgender-Frau und Außenseiterin einen geeigneten Arbeits- und Zufluchtsort fand. Neben dem Co-Produzenten Tim K hat Honey Dijon viele Gastsänger/innen ins Studio aufgeboten, wie z.B.  Nomi Ruiz, Sam Sparro, Jason Walker oder Joi Cardwell. Damit setzt Honey Dijon der New Yorker Subkultur ein schönes Denkmal.  

 

Bild 7PIERRE LAPOINTE

La Science Du Coeur (Sony Music)

Im französischsprachigen Raum erhält der Kanadier Pierre Lapointe von Kritik und Publikum gleichermassen Bestnoten. Dies obwohl sich seine Kompositionen vom Einheitsbreit der üblichen Pop-Radio-Sender abheben und seine Texte statt mit Plattitüden mit poetischen Reflexionen aus dem Leben eines schwulen Mannes aufwarten. Auf seinem siebten Album „La Science du Coeur“ verwischt Pierre Lapointe mit Bravour die Grenzen zwischen Chanson, Pop und Klassik. Er begeistert mit seinen anspruchsvollen orchestralen Pop-Entwürfen, in welchen er sein Herz ausschüttet. Allen, die süchtig nach Melancholie sind, verabreicht er die perfekte Dosis Traurigkeit, Hoffnung und Liebe.

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Infos
Datum: 07.11.2017
Rubrik: CD-Tipps
Autor: DJ Corey
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