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CD-Tipps

DJ Coreys Musiktipps für den April

DJ Coreys Musiktipps für den April

Kylie goes to Nashville und verwandelt sich sehr diskret in eine Country-Dance-Prinzessin. Berührender queerer Neo-Soul aus Südafrika: Newcomer Nakhane emanzipiert sich vom christlichen Glauben. Multitalent Todrick Hall legt mit „Forbidden“ das Album zu seiner neuen Bühnenshow vor. Creep Show, das ist nicht nur der Titel eines bekannten Horrorfilms, sondern auch das neue Projekt des Singersongwriters John Grant. Jung und stolz: In den Pop-Songs von Hayley Kiyoko können sich lesbische und bisexuelle Mädchen identifizieren. Der Besuch der alten Damen: die 80s-Ikone Kim Wilde und die 90s-Pop-Soul-Queen Lisa Stansfield wollen es nochmals wissen.

KYLIE MINOGUE

Golden (BMG)

„Golden“ ist Kylies erstes Album auf dem neuen Plattenlabel. Diesmal hat sie sich wesentlich am Songwriting beteiligt. Das Mitkomponieren ist für sie eine Art Therapie gewesen, um über die Trennung nach ihrer letzten Beziehung hinwegzukommen. „Golden“ hat Kylie in der Country-Mecca Nashville aufgenommen. Macht sie neu auf Country-Pop oder country-infizierten Dance-Pop? Steckt Kylie in der „Joanne“-Phase von Lady Gaga? Oder etwa in der „Music“-Phase von Madonna? Keine Angst: Für ein lupenreines Country-Album ist Kylie noch nicht so weit. Aber die Country-Elemente hauchen ihrem Dance-Pop eine angenehme frische Note ein. Egal, welche Stilrichtungen sie anfasst. Mit ihrem bezaubernden Lächeln macht Kylie alles zu Gold.

 

NAKHANE

You Will Not Die (BMG)

Geboren und aufgewachsen in Südafrika, hat Nakhane von Kindheit an den christlichen Glauben mitbekommen, der sich immer weniger mit seiner Homosexualität vertragen hat. Sechs Jahre nach seinem Coming-Out hat sich der ehemalige Chorknabe mit der androgynen Ausstrahlung endgültig vom Christentum befreit. Auf „You Will Not Die“ dokumentiert Nakhane sein grosses Bedürfnis nach Emanzipation. Das Album ist in London unter der Ägide des Produzenten Ben Christophers entstanden. Nakhane fängt in seinen Songs Schmerz, Zerbrechlichkeit und Stolz ein. Der polyvalente Künstler verquickt dunkle Elektronik mit Neo-Soul und südafrikanischen Einflüssen. Nakhane schwingt sich mit gefühlvoller und flamboyanter Übertreibung in seiner Rolle als ekstatischer Sänger. 

 

CREEP SHOW

Mr. Dynamite (Bella Union)

Creep-Show verbindet den Alternative Rock des Singersongwriters John Grant mit der dunklen Elektronik von Wrangler, die Band um den ehemaligen Sänger von Cabaret Voltaire Stephen Mallinder. Das gemeinsame Album „Mr. Dynamite“ bietet einen kühnen Mix aus experimentellem Pop und surrealistischem Funk. Im Mittelpunkt des Albums steht der Kontrast zwischen Grants Bariton und Mallinders eher brüchiger Stimme. Wie Mallinder selber erklärt, wurde Creep Show insbesondere von Post-Punk, elektronischer Musik à la Kraftwerk, schlechtem Geschmack, kaputten Synthesizers und Soundtracks zu dubiosen Science-Fiction und Soft-Porno-Streifen inspiriert. Er hat nicht ganz Unrecht. Aber egal: Creep Show haben hörbar Spass an ihrer Musik. Und das ist das Wichtigste.

 

TODRICK HALL

Forbidden (Todrick Hall)

Das Prädikat Multitalent trifft auf den Texaner Todrick Hall perfekt zu. Als Sänger, Songwriter, Tänzer, Schauspieler, Choreograph, Kostümdesigner, Drehbuchautor, Regisseur und natürlich auch als You-Tuber ist er aus dem aktuellen amerikanischen queeren Entertainment nicht mehr wegzudenken. Ihm geht es natürlich mehr als reine Unterhaltung. Er sieht sich als Vertreter der queeren Kultur und möchte mit seiner Arbeit zur besseren Integration queerer Menschen beitragen. Nach „Straight Outta Oz“ präsentiert Todrick Hall nun „Forbidden“, den Soundtrack zu seiner neuen Bühnenshow, die am 29. Mai 2018 auch im Zürcher Plaza Halt machen wird. Schrill, bunt, vielfältig, sensationell und umwerfend schön queer. 

 

HAYLEY KIYOKO

Expectations (Atlantic)

Die kalifornische Pop-Sängerin Hayley Kiyoko gehört zu einer Bewegung junger Musikerinnen und Musiker, die offen mit ihrer sexuellen Orientierung umgehen, wie z.B. Troye Sivan und Halsey. In ihren Songs erzählt sie, wie es ist, in ein Mädchen verliebt zu sein. Die Videos dazu setzen ihre Phantasien um. Kein Wunder, dass Hayley Kiyoko nun als grosse Identifikationsfigur für junge Mädchen gelobt und von ihren Fans als „Lesbian Jesus“ bezeichnet wird. Aber ihre Botschaft ist eine universelle: sie möchte den Menschen helfen, sich zu akzeptieren, wie sie sind. Hayley Kiyokos Debüt-Album „Expectations“wartet mit zeitgenössischem Elektro-Pop und R&B auf. Schlicht unwiderstehlich.

 

KIM WILDE

Her Come The Aliens (EarMusic)

Mit Songs wie „Kids In America“ oder „Cambodia“ oder „You Keep Me Hanging On“ hat Kim Wilde in den 80er-Jahre für Furore gesorgt. In den 90er-Jahren hat sie dann die Gartenarbeit für sich entdeckt und ist in Grossbritannien zur beliebten Fernsehgärtnerin geworden. In den 00er-Jahren ist ihr im Duett mit Nena ein grosses Comeback gelungen. Die neuste Platte „Here Come The Aliens“ knüpft an den Geist und die Power ihrer früheren Arbeiten an. Kein Wunder. Kims Bruder hat das Album produziert und im gleichen Studio aufgenommen, wo die grössten Hits damals entstanden sind. 

LISA STANSFIELD

Deeper (EarMusic)

Lisa Stansfield ist mit Hits wie „All Around The World“, “This Is The Right Time”, “Change” und “The Real Thing” zur Pop-Soul-Ikone der End80er- und 90er-Jahre avanciert. Die mehrfache Preisträgerin der BRIT-, Ivor Novello-Awards und Grammy-Nominierte präsentiert mit „Deeper“ ihr achtes Studioalbum. Sie hat „Deeper“ mit ihrem langjährigen Songwriting-Partner Ian Devaney geschrieben und zusammen mit ihm und Mark „Snowboy“ Cotgrove produziert. ‚Deeper‘ hört sich genauso an wie Lisas erste Alben. Lisa und ihr Team wollen sich dem Zeitgeist bewusst nicht anpassen und beharren zurecht auf ihrer stark individualisierten Mischung aus Philly-Soul, Club Musik und tief berührenden, sehr persönlichen Balladen. 

 

 

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Datum: 07.04.2018
Rubrik: CD-Tipps
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